Goldener Golfstaat Florida
December 12, 2008
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Atemberaubende Plätze: Luxus in Miami, Massenvergnügen am Golf von Mexiko.
Von Ludwig Rembold
Die Stadt ist der Hammer! Miami, die Metropole des Hedonismus. Jeden, der irgendwie dazugehören möchte, zu den Tollen, den Reichen, den Jungen, den Ausgeflippten, zieht es magnetisch in den äußersten Südosten des Wurmfortsatzes der Vereinigten Staaten namens Florida. Vor allem in den Monaten, wenn in New York, Chicago und Washington der Winter regiert.
Florida
Reiseinformationen und Clubs
Zwischen Downtown in Golden Beach und South Beach tobt das Leben. Wenn auch meist im Schritttempo. Eine Blechlawine verstopft die mehrspurigen Boulevards, die Highways und Freeways bis spät in die Abendstunden. In den angesagten Clubs, und davon gibt es jede Menge, scheint man Beauties inzwischen klonen zu können, so viele Schönheiten zelebrieren sich dort selbst.
Zu teuer ist das Land
Miami platzt aus allen Nähten, allein schon wegen der Tausenden von Latinos, die hereindrängen und Spanisch zur Umgangssprache werden lassen. Die urbane Expansion, die Gier nach neuen Bauplätzen greift mittlerweile sogar die Golfanlagen an. Der letzte neue Golfkurs ist hier vor 20 Jahren entstanden. Zu teuer ist das Land um Miami für Fairways und Grüns. Die Ausnahme, der Doral Country Club, ist das Zentrum des Golfs in dieser Region.
Als Doris und Alfred (Doral) Kassel 1964 das Land erwarben und den ersten Platz bauten, wurden sie belächelt. Das Grundstück lag im Nirgendwo, am Rande der Everglades, weiter östlich war die Welt zu Ende. Heute ist die Anlage eine Golffabrik, umbaut mit Apartmenthäusern, beschallt vom nahe gelegenen Miami International Airport. Über die Meisterschaftskurse werden pro Tag 750 Spieler gejagt. 500 Carts stehen zur Verfügung. Alles ist bis ins kleinste Detail durchorganisiert. Ein Heer von Helfern mit Sprechfunkgeräten hält den US-üblichen Service aufrecht und den Betrieb am Laufen. Das riesige Marriott-Hotel mit seinen drei Ballsälen, fünf Pools und einem riesigen Spa ist in den Monaten von Dezember bis April fast durchwegs voll belegt.
Der Doral Golf Club hat seinen Preis.
Big Business allüberall. „Blue Monster“, der legendäre Platz, auf dem über Jahre mit dem Start des sogenannten Florida Swing die US-PGASaison begann, ist auf Tage im Voraus ausgebucht. Ein schöner Kurs ohne Zweifel, doch weder Blue noch Monster, und nur von den hintersten Abschlägen jene Herausforderung, die die zumeist Tiger Woods stets am besten bewältigte. Der „Great White“, ein Kurs von ganz anderer Charakteristik mit riesigen Waste-Areas und tausenden von Palmen, hinter denen sich die Bälle tückisch verstecken, ist mindestens genauso schwer zu spielen, seit ihm Greg Norman 2005 eine durchgreifende Renovierung verpasst hat. „The Red“ und „The Golden Course“ ähneln in der Streckenführung mit viel Wasser dem Blue Monster. Der etwas abseits gelegene „Silver Course“ fällt auch qualitätsmäßig etwas ab. In Doral läuft in der Hochsaison ständig irgendein wichtiges Turnier mit allem Brimborium.
The Fairmont Turnberry Isle Resort & Club im vornehmen Vorort Aventura am Golden Beach ist dagegen ein einziger Hort der Ruhe und Beschaulichkeit. Muss auch so sein, schließlich handelt es sich hierbei um einen privaten Club mit einem Fünf-Sterne- Luxus-Hotel mit allen erdenklichen Schikanen. Der „South Course“, 1972 von Robert Trent Jones gebaut, ist gerade von Roman Floyd mit dem unerhörten Aufwand von einer Million Dollar pro Loch völlig überarbeitet worden. Eine Augenweide mit spektakulären künstlichen Wasserfällen und Bachläufen, bestem Pflegezustand und interessantem Design. Der zweite, „The Miller Course“, ist kaum weniger schön und ebenfalls kürzlich renoviert worden.
Meterlange Leguane
Den Atem der relativ kurzen Geschichte Floridas hingegen verströmt „The Miami Beach Golf Club“, direkt am South Beach gelegen. Mit einiger Ehrfurcht erzählt Manager Randy Weber von berühmten Mitgliedern. In der Villa gegenüber dem Eingang habe Jacky Gleason lange gewohnt, und auf der anderen Straßenseite, in der ebenfalls ansehnlichen Hütte, sei Al Capone gestorben. Den 18 Löchern mit viel Wasser merkt man ihr Alter an. Eine Attraktion sind die meterlangen Leguane in allen Farbschattierungen, die sich auf den Fairways tummeln.
Zirka 20 Golfplätze gibt es in Greater Miami, eine geradezu lächerliche Zahl gegenüber der Westküste am Golf von Mexiko, um Fort Myers und Naples herum. Aber da ist ohnehin alles völlig anders. Die Region gilt als beliebteste Landezone der „Snow – birds“, jener mehr oder weniger wohlhabenden Spezies Mensch, die es vorzieht, dem Winter im nördlichen Teil der Staaten zu entfliehen und die alten Knochen in der gnädigen Sonne Floridas zu erwärmen. Wie viele Golfplätze es in Südwest-Florida gibt, weiß keiner so genau. Spielt auch keine Rolle, weil sich in Europa ohnehin niemand mehr als 100 Golfplätze auf einem zirka 60 Meilen langen Küstenstreifen vorstellen kann. Und so viele und ein paar mehr sind es zwischen Cape Coral und Marco Island mit Sicherheit.
Hyatt Regency Coconut Points
Man unterscheidet zwischen Public-, Semi-Private- und Private Courses. Letztere sind deutlich in der Mehrzahl. Eine Wohnanlage reiht sich an die andere, unterschiedlich in Größe und Qualität der Villen und deren Bewachung. Im Zentrum jeweils ein Golfplatz, angepasst an die Qualität der Häuser, der in der Regel nur von den Immobilien-Besitzern bespielt werden darf. Große Hotels haben normalerweise auch einen oder zwei Golfplätze mit bevorzugtem Spielrecht für ihre Gäste. So wie beispielsweise das „Hyatt Regency Coconut Point Resort & Spa“, ein Hotel, das 16 Stockwerke hoch mitten aus dem flachen Marschland bei Bonita Springs herausragt. Der angeschlossene Platz heißt Raptors Bay und würde hierzulande zu den schönsten Anlagen zählen mit den vielen Wasserhindernissen und den Spielbahnen, die wie Schneisen in die Wildnis geschlagen wurden. In dieser Gegend ist er gehobener Durchschnitt.
Störche, Marabus und Alligatoren
Wenn der Concierge des Hyatt einen guten Tag hat, vermittelt er eine Tee-Time in „The Colony Golf & Country Club“, dem benachbarten hochnoblen Villen-Konglomerat mit einem 18-Loch- Meisterschaftskurs, auf dem der Greenkeeper jeden Grashalm persönlich zu kennen scheint, so gepflegt ist er. Doch es kommt noch besser. „The West Bay Club“ ist eine der herausragenden Arbeiten von Pete Dye. Er hat alles zu bieten, was man sich unter Wet-Lands Floridas vorstellt: Störche, Marabus, Alligatoren, eine üppige Vegetation, durch die höchst abwechslungsreiche wellige Fairways führen. Dieses Kleinod samt gediegenem Clubhaus mit Nebengebäuden ist normalerweise 300 Mitgliedern vorbehalten, allesamt Besitzer unglaublich großzügiger Häuser und Etagenwohnungen in den 20-stöckigen Klötzen am Rande des Platzes.
Zur Kategorie gehobener Public Courses gehört „Old Corkscrew“. In der Wildnis zwischen Bonita Beach und Fort Myers hat sich ein deutscher Auswanderer einen Traum verwirklicht und einen Jack-Nicklaus-Signature-Golfplatz bauen lassen, der allen Ansprüchen gerecht wird. Für 120 Dollar Greenfee darf hier jeder spielen.
Der Tiboròn Golf Course des Ritz Carlton Hotels.
Zwei traumhafte Plätze, gebaut von Greg Norman
Beim Tiburón Golf Course ist es nicht ganz so einfach. Da sollte man möglichst in einem der beiden Ritz-Carlton-Hotels in Naples, entweder in dem am Strand oder, noch besser, in dem direkt auf dem Golfplatz wohnen. Tiburón ist das spanische Wort für Hai, und Hai der Spitzname von Greg Norman, der sowohl den „Gold Course“ als auch den „Black Course“ gebaut hat. Beides traumhafte Plätze, auf denen alljährlich im Dezember das vom großen Meister selbst inszenierte Shootout abläuft.
Es geht auch schlichter: Der Naples Beach Hotel & Golf Club deckt die Bandbreite nach unten ab. Der alte, abgespielte Platz liegt an der Straße und ist öffentlich. Ähnlich wie The Rookery at Marco. Der Kurs besticht durch natürliche Streckenführung und landschaftliche Schönheit. Immer neue Projekte kommen hinzu. So errichtete ein gewisser Tom Monagham, der mit Pizzabuden Millionen gemacht hat, mitten im Marschland, zehn Meilen außerhalb von Naples, eine Universitätsstadt mit der christkatholischen Bezeichnung Ave Maria. Sie findet regen Zuspruch. Ein Meisterschaftskurs gehört da selbstverständlich mit dazu.
Um das Golfangebot der Region auch nur halbwegs zu erspielen, wäre man Monate unterwegs. Doch schließlich hat Südwest-Florida noch andere Reize, vom Strand und den zahlreichen Wassersportmöglichkeiten ganz abgesehen. In den Shopping Malls, die sich alle paar Meilen über riesige Flächen ausdehnen, kauft der Mitteleuropäer auch Markenware unglaublich günstig ein. Ein willkommener Ausgleich für die deftigen Greenfee-Preise.
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